Marktdaten zur Entwicklung des Buchmarktes im 2. Quartal 2021 in Deutschland

Zuerst die gute Nachricht: Die Sprünge bei den Buchumsätzen im März und April 2021 sind spektakulär, wie der Branchenmonitor Buch des Börsenvereins berichtet.

Nun die schlechte Nachricht: Diese Sprünge sind nicht leicht zu interpretieren.

  • Hechelt die Buchbranche den Werten aus dem ungestörten Jahr 2019 und den früheren noch immer hinterher?
  • Oder werden die Miesen aus zwei Lockdowns jetzt lediglich ausgeglichen?
  • Oder bewegt sich gar der Markt nach oben? In Krisenzeiten wird in der Regel mehr gelesen als sonst.

Ein „gnädiges“ Gesamtjahr 2020 für den deutschen Buchhandel

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, für den Branchenmonitor Buch verantwortlich, gibt an, dass die Buchbranche 2020 den Vorjahresumsatz um 2,3% verfehlt habe – trotz Kurzarbeit, Unsicherheit und mehrwöchiger Handels-Lockdowns zwischen Mitte März und Mai sowie ab Ende November – ausgerechnet das wichtige Weihnachtsgeschäft war also mit betroffen.

Der laut Zahlen-Aggregator statista mit minus 33% zum Vorjahr sehr kritische April 2020 kann vor dem Hintergrund eines ausgezeichneten April 2019 (plus 24,2%) entspannter beurteilt werden. Der für den Weihnachtsumsatz wichtige November 2020, von Lockdowns noch wenig belastet, setzte dem Vorjahres-November, der seinerseits leicht im Plus gegenüber 2018 gelegen hatte, stattliche 10,7% obendrauf.

Unter diesen Umständen passt das offizielle Gesamtjahres-Minus von 2,3% für 2020 ins gnädige Bild und ist ein überschaubarer Aderlass, zumal das Jahr 2019 laut statista mit einem Plus von 1,8% schon relativ gut gelaufen war.

Für den deutschen Buchhandel schwer zu verdauen: der Lockdown 2021

Es ist also vor allem der zweite Lockdown, den Buchhandlungen und Verlage noch zu verdauen haben.

Der Dezember 2020 sockelte bereits auf einem Vorjahresminus von 2,1% und knickte nochmals um 5,1% ein, so statista. Größer war die Minus-Abweichung im Januar 2021: 19,7%. Das Jahr 2019 schon hatte den Vorjahreswert um 2,7% verfehlt. Das Februar-Minus von 12,4% setzte noch eins drauf. Die gewaltige 49,2%-Steigerung des März 2021 relativiert sich vor einem Vorjahreswert von minus 20,2% bedeutend.

Der Buchreport geht in seiner Interpretation der Berichte von media control davon aus, dass per 30. April 2021 noch 8% gegenüber 2019 und 5,5% gegenüber 2019 aufzuholen sind. Eine schwierige, aber keine unmögliche Vorgabe.

Warum auch eine schwarze Null im Buchhandel ein negatives Ergebnis wäre

Aber was bedeuten all diese Umsätze, wenn man sie zu den steigenden Buchpreisen in Beziehung setzt? Denn das Plus im April 2021 kam laut Branchenmonitor Buch nur zu zwei Dritteln aus den getätigten Absätzen (plus 15,2%), aber zu einem Drittel aus den bezahlten Durchschnittspreisen (plus 7,7%). Im März 2021 war dieser Effekt in geringerer Größenordnung ebenfalls nachweisbar.

Abgesehen davon, dass Verlage nicht beliebig lang an der Preisschraube drehen können, weil Käufer ab einem bestimmten Punkt mit steigenden Preisen nicht mehr mitgehen werden, verweisen diese Zahlen auf die lang anhaltende Absatzkrise, in der nicht nur der deutsche Buchmarkt sich befindet und gegen die er noch kein Gegenmittel gefunden hat. Die Vielfalt der Ursachen

  • schrumpfende Präsenz der Buchhandelsketten
  • Konkurrenz durch andere Medien
  • mangelnde Durchsetzung des mobilen Lesens per E-Reader oder Smartphone
  • Tendenz zum „Entlernen“ des Lesens durch die nachfolgenden Generationen

erschwert die Entwicklung von Gegenmaßnahmen.

So bleibt heute nur festzuhalten: Selbst wenn deutsche Verbraucher dem Buchmarkt noch zu einer schwarzen Null verhelfen sollten, ist dies vielleicht ein Grund zur Erleichterung, aber kein Grund zur Zufriedenheit. Denn die Präsenz des Buches in deutschen Haushalten, Unternehmen und Bibliotheken ist im Sinkflug. Eine schwarze Null beim Umsatz ist daher ein schlechter Wert.

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